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Wertanalyse
 
Die Planungsgesellschaft Contec Ingegneria setzt eine interessante Bewertungsmethode bei der Material- und der Konstruktionswahl von Bauwerken ein. Diese Methode ist unter der Bezeichnung Wertanalyse bekannt.
Wir haben mit Renzo Savoia, Generaldirektor von Contec Ingegneria, gesprochen.


Beginnen wir bei der Definition: Was ist eine Wertanalyse?

Die Wertanalyse ist der organisierte und kreative Ansatz eines funktionsorientierten und wirtschaftlichen Gestaltungsprozesses mit dem Ziel, die Wertsteigerung eines WA-Objektes. Das WA-Objekt kann sowohl ein bestehendes als auch ein neues, sich in Entwicklung befindliches Produkt sein. Diese allgemeine Definition findet sich in der Norm EN 1326-1 wieder und kann auf jeden Entscheidungskontext angewendet werden, in dem unterschiedliche Alternativen oder Größen im Vergleich zu bewerten sind. Die Wertanalyse ist eine methodische Vorgehensweise, die dazu dient, die Qualitätsziele zu erreichen, d.h. objektiv die Möglichkeit mit dem geringsten Kostenaufwand zu beurteilen, die den ausdrücklichen oder impliziten Anforderungen gerecht wird (bzw. ebenfalls bei gleichen Kosten die Lösung mit dem höchsten Wert).
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Wertanalyse ist ihr funktionsorientierter, systematischer Ansatz, d.h. die Analyse und die Einstufung der Funktionen eines Produkts anstelle der bloßen Bemühung die Produktionskosten zu senken.
In Übereinstimmung mit der Wertanalyse konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Identifizierung und detaillierte Aufstellung der notwendigen und erforderlichen Funktionen, die ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung zu bieten hat. Aus der Zusammensetzung der verschiedenen eventuellen Möglichkeiten, werden jene ersichtlich, die eine Wertsteigerung des Produkts beinhalten; dies nicht in allgemeiner oder subjektiver Hinsicht, sondern auf der Grundlage von messbaren Eigenschaften, die die Leistungen des Produkts betreffen.

Bei welchen Vorhaben kann die Wertanalyse angewendet werden?

Es gibt kein Produkt, kein Verfahren und keine Produktionsphase, bei der die Wertanalyse nicht nutzbringend eingesetzt werden kann.
Durch Maßnahmen in Hinblick auf die Funktionen kann die Wertanalyse von jeder organisatorischen Einrichtung und bei allen Entscheidungsfindungen angewendet werden, die die Optimierung der Dienstleistung oder des Produkts zum Ziel haben.

Als Alternative zu welchen Methoden?

In der Regel ist es äußerst schwierig in der Baubranche eine systematische Analyse durchzuführen. Einerseits wurden die Techniker so ausgebildet, dass sie eine allgemeine und intuitive Problemlösung bevorzugen, wodurch Quantifizierungen und Methodik mit Widerwillen und als Behinderung der Vorstellungskraft sowie der Planungsfreiheit angesehen werden; andererseits werden im Bauwesen fast immer einzigartige Bauwerke geplant und äußerst kurzfristig gebaut, wobei sich ein Organisationssinn nur mühevoll entwickeln kann. Die abstrakte und allgemeine Logik der „Kostenreduzierung“ überwiegt daher. Folglich werden die Leistungen der kostengünstigsten Möglichkeit manchmal nicht einmal in Betracht gezogen, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die endgültigen Eigenschaften des Bauwerks und ebenfalls auf die Gesamtkosten, denn zu den Produktionskosten kommen noch die Verwaltungs- oder Nutzungskosten, bzw. die Kosten nach Beginn der Verwendung: Kosten für den Betrieb, die Wartung und vorauszusehende Auswechseln von Elementen.

Welche Vorteile bietet die Wertanalyse?

Es sind hier unterschiedliche Vorteile zu nennen: Ein von den Anfangsphasen der Planung durchgeführtes Wertanalyseverfahren hat zur Folge, dass das Endprodukt den implizit oder ausdrücklich geforderten Eigenschaften in höherem Maße entspricht. In Japan, den Vereinigten Staaten und Frankreich wird die Wertanalyse verbreitet angewendet. Die dort durchgeführten Untersuchungen liefern begeisternde Ergebnisse bei der gesamten Kosteneinsparungen, die sich 10% der Gesamtkosten annähern, wobei dieser Wert sogar manchmal übertroffen wird. Diese Einsparungen sind auf eine geringe Anzahl an Planungsfehlern, geringere Umänderungen, innovative Lösungen usw. zurückzuführen. Die Rentabilität als Verhältnis zwischen den Kosten für die Erstellung der Wertanalyse und dem erzielbaren Kostenvorteil wird von Experten auf 1000% geschätzt.

Wann und wo ist diese Methode entstanden?

Die Erfindung der Wertanalyse liegt nicht weit zurück. Erste Erfahrungen stammen aus dem ersten Weltkrieg, als Lawrence D. Miles, ein US-amerikanischer Ingenieur der Gesellschaft General Electric infolge der Erschöpfung der Vorräte anderer Materialien mit gleichen Eigenschaften beschaffen musste. Die später entwickelte Methode erwies sich als geeignet, Alternativen aufzufinden, mit denen dieselben Funktionen der ursprünglich eingesetzten Materialien ermöglicht wurden. Zudem führte die Methode in zahlreichen Gegebenheiten zum Auffinden von mindestens genauso guten, wenn nicht sogar besseren Möglichkeiten mit geringeren Kosten im Vergleich zu der untersuchten Möglichkeit.
In den 50er Jahren verbreitete sich die Wertanalyse in der US-amerikanischen Manufaktur und wurde für die Auswahl der Anschaffungen eingesetzt. In den 60er Jahren begann die Verbreitung in Japan und in Europa, während sie in den Vereinigten Staaten auf Aufträge im Bereich Hoch- und Tiefbau ausgedehnt wurde. In den 70er Jahren wurde in Frankreich und den USA das Verfahren und die Vertragsklauseln definiert, um den Bauunternehmen einen Anreiz zu bieten, diese Methode anzuwenden.